Institut für Schädlingskunde

 

 

Braunbandschabe oder Möbelschabe (Supella longipalpa)

 

Hier erfahren Sie alles über Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung von Supella longipalpa (Braunbandschabe oder Möbelschabe).

 

Wissenschaftlicher Artname der Braunbandschabe: Supella longipalpa (FABRICIUS, 1798)

 

Braunbandschabe - Erkennen

Die Braunbandschabe oder Möbelschabe ist in Deutschland relativ selten. Die Weibchen erreichen eine Länge von 10 bis 12,3 Millimetern. Die Männchen von Supella longipalpa werden zwischen 10,6 und 11,5 Millimeter lang. Obwohl die Flügel recht gut entwickelt sind, kann die Braunbandschabe nicht fliegen. Supella longipalpa ist allgemein dunkelbraun gefärbt, lediglich das Halsschild (Pronotum) ist braun und weist die zwei hellen, charakteristischen Querstreifen auf.

 

Braunbandschabe (Supella longipalpa)

Abbildung 1: Larve der Braunbandschabe (Supella longipalpa)

Deutsche Schabe (Blattella germanica)

Abbildung 2: Die Deutsche Schabe (Blattella germanica) ist auf den ersten Blick leicht mit der Braunbandschabe (Supella longipalpa) zu verwechseln

 

 

Braunbandschabe - Vorkommen und Lebensweise

Die Braunbandschabe oder Möbelschabe benötigt im Vergleich zur Deutschen Schabe (Blattella germanica) weniger Feuchtigkeit und ist vor allem in Wohnungen, Hotelzimmern, Großküchen, Restaurants und Krankenhäusern anzutreffen. Auch in Museen wurde diese Schabenart bereits gefunden. Bei einer Temperatur von 30°C dauert die Entwicklung zum adulten Insekt 54 bis 56 Tage. Diese Periode verlängert sich bei 22°C auf bis zu 355 Tage. Braunbandschaben sind relativ wärmebedürftig und können unter mitteleuropäischen Klimabedingungen nicht im Freien überwintern. Ausgewachsene Individuen von Supella longipalpa besitzen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 200 Tagen. In geheizten Räumen können sich pro Jahr bis zu drei Generationen entwickeln. Die Weibchen der Braunbandschabe legen im Lauf ihres Lebens ca. 80 bis 200 Eier ab; die Zahl der Eikapseln (Ootheken) beträgt rund 13. Die maximale Anzahl an Eiern pro Oothek liegt laut Literaturangaben bei 18. Durchschnittlich schlüpfen bei Raumtemperatur rund 13 Larven aus einer Eikapsel. Die Weibchen der Braunbandschabe tragen die Eikapseln zunächst noch 24 bis 36 Stunden mit sich umher, bevor diese abgelegt und am Untergrund (z. B. hinter Möbeln oder in Betten) befestigt werden.

 

Braunbandschabe - Schadwirkung

Tierarten, die Krankheitserreger auf den Menschen übertragen können, gelten nach Paragraph 2 des deutschen Infektionsschutzgesetzes als gesundheitsschädlich. In Deutschland werden die Braunbandschabe (Supella longipalpa), die Deutsche Schabe (Blattella germanica), die Orientalische Schabe (Blatta orientalis) und die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) aufgrund ihrer Lebensweise, ihrer weiten Verbreitung und ihres häufigen Vorkommens als bedeutsame Gesundheitsschädlinge angesehen. Aufgrund ihrer Lebensweise kann die Braunbandschabe human- und veterinärmedizinisch bedeutsame Krankheitskeime verbreiten. Außerdem kommt Supella longipalpa als Vektor für Schimmelpilzsporen in Frage. Es ließ sich experimentell feststellen, dass Krankheitskeime bis zu 72 Stunden am Körper von Schaben haften bleiben können. Zudem kann die Braunbandschabe zuvor aufgenommene Krankheitserreger über den Verdauungstrakt ausscheiden. Wie andere Schabenarten auch spielt die Braunbandschabe als Verursacher von Allergien eine gewisse Rolle. So können allergene Stoffe, die unter anderem im Kot der Tiere enthalten sind, die sog. Hausstauballergie auslösen. Braunbandschaben gelten aber nicht nur als Gesundheitsschädlinge und Hygieneschädlinge, sondern spielen auch eine Rolle als Materialschädlinge. Insbesondere technische Anlagen sind hier betroffen, da Supella longipalpa gerne in elektronische Geräte wie PC`s eindringt und auf diese Weise Fehlfunktionen auslösen kann.

 

Braunbandschabe - Bekämpfung

Es gibt mehrere Möglichkeiten die Braunbandschabe oder Möbelschabe zu bekämpfen. Mit Ködern versehene Klebefallen locken Individuen von Supella longipalpa an und dienen neben der direkten Bekämpfung in erster Linie dazu, das Befallsausmaß abzuschätzen. Zur Bekämpfung der Braundbandschabe können Kontaktinsektizide und Fraßköder verwendet werden. Kontaktinsektizide, wie das häufig eingesetzte Pyrethrum, sollten vor allem in die bevorzugten Aufenthaltsorte von Supella longipalpa wie z. B. hinter Elektroherde gesprüht werden. Die meisten Fraßköder gegen die Braunbandschabe oder andere Schabenarten werden mittlerweile in Gelform angeboten. Der Vorteil dieser Ködergele ist, dass kleinste Mengen der Substanz überall dort ausgebracht werden können, wo sich Supella longipalpa bevorzugt aufhält. Die Wirkung der Ködergele hält über einen längeren Zeitraum an und die Gefahren, die von dieser Bekämpfungsmethode für Menschen und Haustiere ausgeht, sind bei sachgerechter Anwendung nur gering. Schabenköder enthalten verschiedene insektizide Wirkstoffe. Häufig werden beispielsweise Fipronil oder Imidacloprid eingesetzt. Um einen Befall mit der Braunbandschabe oder Möbelschabe dauerhaft zu beseitigen ist es sehr wichtig die Ausbringung der Fraßköder über einen Zeitraum von mehreren Monaten regelmäßig zu wiederholen, auch wenn bereits nach kurzer Zeit keine Braunbandschaben mehr gefunden werden. Nur so ist gewährleistet, dass die Larven von Supella longipalpa, die erst nach Beginn der Bekämpfungsmaßnahmen aus den Eipaketen schlüpfen, ebenfalls abgetötet werden können.

 

Amerikanische Schabe (Periplaneta americana)

Abbildung 3: Die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) wird deutlich größer als die Braunbandschabe (Supella longipalpa)

Braunbandschabe (Supella longipalpa) Oothek

Abbildung 4: Eine Oothek (Eikapsel) der Braunbandschabe (Supella longipalpa)

 

Weitere Informationen zu Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung von Supella longipalpa (Braunbandschabe oder Möbelschabe).

 

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