Institut für Schädlingskunde

 

 

Gefleckter Weidenblattkäfer (Chrysomela vigintipunctata)

 

Hier erfahren Sie alles über Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung von Chrysomela vigintipunctata (Gefleckter Weidenblattkäfer)

 

Wissenschaftlicher Artname des Gefleckten Weidenblattkäfers: Chrysomela vigintipunctata (Scopoli, 1763)

 

Gefleckter Weidenblattkäfer - Erkennen

Der Gefleckte Weidenblattkäfer, der im englischen als spotted willow leaf beetle bezeichnet wird, erreicht eine Körperlänge von sechs bis neun Millimetern. Die Weibchen werden mit sieben bis neun Millimetern durchschnittlich etwas größer als die Männchen, die nur sechs bis acht Millimeter erreichen. Oberflächlich betrachtet sieht der Gefleckte Weidenblattkäfer einem Marienkäfer, wie zum Beispiel dem Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis) relativ ähnlich. Die Grundfärbung der Flügeldecken kann zwischen den verschiedenen Populationen stark variieren und reicht von weißlich über gelblich bis hin zu gelb, orange oder sogar rot. Charakteristisch für Chrysomela vigintipunctata ist, dass auf beiden Flügeldecken jeweils zehn schwarze, unregelmäßig geformte Flecken zu finden sind, was den Käfern auch ihren wissenschaftlichen Artnamen eingebracht hat. Außerdem besitzen sie eine schwarze Flügeldeckennaht. Kopf, Fühler und Beine des Gefleckten Weidenblattkäfers sind schwarz. Auch der größte Teil des Halsschilds ist schwarz. Lediglich an den Rändern weist er dieselbe Färbung auf wie sie die Flügeldecken zeigen. Die Larven des Gefleckten Weidenblattkäfers besitzen eine weißliche Grundfärbung mit zahlreichen, schwarzen Flecken.

 

Gefleckter Weidenblattkäfer (Chrysomela vigintipunctata) Käfer

Abbildung 1: Der Gefleckte Weidenblattkäfer (Chrysomela vigintipunctata) besitzt auf den Flügeldecken insgesamt zwanzig schwarze Flecke

Gefleckter Weidenblattkäfer (Chrysomela vigintipunctata) Larven

Abbildung 2: Die Larven des Gefleckten Weidenblattkäfers (Chrysomela vigintipunctata) heften sich zur Verpuppung bevorzugt an Mauern in der Nähe ihrer Futterpflanzen an

 

 

Gefleckter Weidenblattkäfer - Vorkommen und Lebensweise

Das Verbreitungsgebiet des Gefleckten Weidenblattkäfers liegt in Mitteleuropa und dem südlichen Nordeuropa. Allerdings scheint diese Blattkäferart in ihrem Verbreitungsareal nicht flächendeckend verbreitet zu sein. Beispielsweise gibt Kroker (1986) für den westfälischen Raum nur fünf Fundorte an. Auch in Nordhessen wurde Chrysomela vigintipunctata bislang nur vereinzelt gefunden (Erber & Mengel, 1981). Oft kommt der Gefleckte Weidenblattkäfer in der Nähe von Fließgewässern vor. So fanden beispielsweise Kramer-Rowold & Rowold (1999) die Art an Weiden (Salix alba und Salix fragilis) an einer Bachaue. Generell werden laut Koch (1992) schmalblättrige Salix-Arten als Futterpflanzen genutzt. Peez & Kahlen (1977) geben darüber hinaus auch noch Pappeln (Populus spp.) als Futterpflanzen für Käfer und Larven des Gefleckten Weidenblattkäfers an. Andere Laubholzarten werden üblicherweise nur bei Futtermangel befallen. Käfer bzw. Larven findet man in der Regel in einem Zeitraum von April bis August. Kramer-Rowold & Rowold (1999) beobachteten im Jahr 1994 den Schlupf der Käfer zwischen Ende Juni und Anfang Juli. Zur Verpuppung verlassen die Larven von Chrysomela vigintipunctata mitunter ihre Futterpflanzen. Sie verpuppen sich beispielsweise gerne an Mauern in der Nähe ihrer Futterpflanzen wie eine Beobachtung von Kramer-Rowold & Rowold (1999) belegt.

 

 

Gefleckter Weidenblattkäfer - Schadwirkung

Dort wo der Gefleckte Weidenblattkäfer in Massen auftritt, können Weiden und andere Futterpflanzen komplett kahl gefressen werden. Die Art muss in diesem Zusammenhang als Pflanzenschädling angesehen werden. Ältere, gesunde Bäume können einen einmaligen Kahlfraß durch Chrysomela vigintipunctata meist problemlos verkraften. Dagegen werden junge Bäume durch das massenhafte Auftreten des Gefleckten Weidenblattkäfers wesentlich stärker geschädigt. Diese Blattkäferart gilt daher insbesondere in Baumschulen als gefürchteter Schädling für Weiden und Pappeln.

 

Gefleckter Weidenblattkäfer - Bekämpfung

Der Gefleckte Weidenblattkäfer kann mit Insektiziden bekämpft werden. Im Haus- und Kleingartenbereich sind verschiedene Wirkstoffe für den Einsatz gegen beißende Insekten zugelassen, die auch zur Bekämpfung von Gefleckten Weidenblattkäfern verwendet werden könnten. Der Wirkstoff Thiacloprid ist noch bis zum 31.12.2017 zugelassen. Thiacloprid ist unter anderem in dem Produkt Bayer Garten Schädlingsfrei Calypso der Firma Bayer enthalten. Ein weiterer Wirkstoff mit dem man Larven und Käfer von Chrysomela vigintipunctata bekämpfen kann ist Acetamiprid, das zum Beispiel in dem Pflanzenschutzmittel Schädlingsfrei Careo Spray der Firma Celaflor enthalten ist. Die Verwendung von Acetamiprid ist noch bis zum 31.12.2016 erlaubt. Im Forst steht zur Bekämpfung von blattfressenden Käferarten wie dem Gefleckten Weidenblattkäfer der Wirkstoff Lamda-Cyhalothrin zur Verfügung, der in dem Präparat Karate Forst flüssig der Syngenta Agro GmbH enthalten ist (Stand: 8-2013). Aktuelle Informationen zur Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln gegen diese Blattkäferart ist dem Pflanzenschutzmittelverzeichnis zu entnehmen, das jährlich aktualisiert wird.

 

Gefleckter Weidenblattkäfer (Chrysomela vigintipunctata) Befall

Abbildung 3: Die Larven des Gefleckten Weidenblattkäfers (Chrysomela vigintipunctata) können bei einem Massenbefall auch große Weiden kahlfressen

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) Käfer

Abbildung 4: Der Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) gehört wie der Gefleckte Weidenblattkäfer (Chrysomela vigintipunctata) in die Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae)

 

Weitere Informationen zu Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung von Chrysomela vigintipunctata (Gefleckter Weidenblattkäfer).

 

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