Der Gefurchte Dickmaulrüssler gehört, wie auch der Erdbeerwurzelrüsselkäfer (Otiorhynchus ovatus) oder der Maiskäfer (Sitophilus zeamais), zur großen Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae). Bei allen Rüsselkäfern ist der Kopf deutlich verlängert. Der Gefurchte Dickmaulrüssler hat einen relativ breiten, nach unten gebogenen „Rüssel“, der auf der Oberseite eine tiefe Längsfurche aufweist. Die Körperfärbung der Käfer variiert zwischen dunkelgrau und schwarz. Die Fühler sind gekniet. Otiorhynchus sulcatus erreicht eine Körperlänge von acht bis dreizehn Millimeter und hat eine länglich-ovale Körperform. Auf dem Halsschild (Pronotum) ist ein dichtes Muster aus groben Punkten zu sehen. Auch auf den Flügeldecken finden sich derartige Punkte, die hier allerdings regelmäßige Längsfurchen bilden. Besonders bei frisch geschlüpften Käfern fallen auf den Flügeldecken Flecke von hellgelben Schuppenhaaren auf. Der Gefurchte Dickmaulrüssler ist nicht in der Lage zu fliegen, da seine Flügeldecken miteinander verwachsen sind. Die beinlosen Larven von Otiorhynchus sulcatus haben eine gekrümmte, engerlingsartige Gestalt. Bis auf die braune Kopfkapsel sind sie weißlich gefärbt. Kurz vor der Verpuppung können die Larven des Gefurchte Dickmaulrüsslers bis zu zwölf Millimeter lang werden.
Der Gefurchte Dickmaulrüssler ist weltweit verbreitet. In Mitteleuropa
pflanzt sich Otiorhynchus sulcatus parthenogenetisch fort. Es entstehen somit
ausschließlich weibliche Individuen. Die nachtaktiven Käfer sind
zwar nicht in der Lage zu fliegen, können aber relativ schnell laufen.
Tagsüber verstecken sich die Käfer unter Laub, Brettern, Pflanzentöpfen,
Mulch oder in der Streuschicht. Nachts fressen sie an oberirdischen Pflanzenteilen,
wobei sie sowohl Laub- als auch Nadelgehölze befallen. Die Jungkäfer
schlüpfen in der Regel Ende Mai bis Anfang Juni und führen über
einen Zeitraum von vier bis neun Wochen zunächst einen sog. Reifungsfraß aus.
Von Juli bis in den Spätsommer hinein legen die Käfer bis zu 1.000
Eier in feuchtes und humoses Erdreich im Bereich des Wurzelhalses ihrer Wirtspflanzen
ab. Ab August schlüpfen die ersten Larven aus den Eiern. Die Junglarven
sind rund zwei Millimeter groß und beinlos. Ihre Körperfärbung
ist cremeweiß – lediglich die Kopfkapsel ist braun. Die Larven
beginnen zunächst damit an den feinen Haarwurzeln ihrer Futterpflanze
zu fressen. Mit zunehmendem Alter fressen sie immer dickere Wurzeln. Auch der
Wurzelhals wird angefressen. Zum Teil dringen die Larven des Gefurchten Dickmaulrüsslers
auch in unterirdische Speicherorgane der Pflanzen wie zum Beispiel Knollen
ein und höhlen diese aus. Mit abnehmenden Temperaturen stellen die Larven
ihre Fraßtätigkeit allmählich ein und überwintern im Boden.
Im Frühjahr folgt noch eine kurze Fraßperiode im Wurzelbereich.
Ende April/Anfang Mai verpuppen sich die Larven dann in der Erde. Die Puppenruhe
dauert ca. drei Wochen. In Mitteleuropa wird unter Freilandbedingungen nur
eine Generation pro Jahr ausgebildet. Der Gefurchte Dickmaulrüssler ist
somit eine univoltine Art. In Gewächshäusern machen die Larven keine
Winterruhe durch, so dass sich diese Pflanzenschädlinge hier das ganze
Jahr über fortpflanzen können. An geschützten und warmen Standorten
können die Käfer aber auch im Freiland überwintern. Diese Käfer
legen ihre Eier schon im Mai ab, so dass die ersten Larven bereits im Juni
schlüpfen. Unter günstigen Bedingungen können die Käfer
ein Alter von zwei Jahren erreichen.
Otiorhynchus sulcatus ist, wie auch der Erdbeerwurzelrüsselkäfer (Otiorhynchus ovatus), ein gefürchteter Pflanzenschädling, der Pflanzen aus mehr als 100 Pflanzengattungen befallen kann. Die Art richtet in Gartenbaubetrieben und Baumschulen enorme finanzielle Schäden an und gelangt mit befallenen Pflanzen auch in Privatgärten. In Gartenbaubetrieben entstehen vor allem Schäden an Topfpflanzen wie Azaleen, Alpenveilchen, Fuchsien, Primeln, Chrysanthemen, Efeu und Geranien. Baumschulen müssen hohe Verluste bei Containerpflanzen in Kauf nehmen. Befallen werden hier unter anderem Rosen, Eibe, Thuja, Kornelkirsche, Erika, Felsenmispel, Ahorn, Feuerdorn und Pfaffenhütchen. Große Schäden richtet der Gefurchte Dickmaulrüssler aber auch an Erdbeeren, Himbeeren und anderen Beerensorten an. Die Käfer fressen oberirdisch an grünen Pflanzenteilen und hinterlassen an Laubblättern u-förmig ausgefressene Blattränder. Dieser sog. Buchtenfraß ist typisch für Otiorhynchus sulcatus. An den jungen Trieben von Nadelgehölzen kann der Gefurchte Dickmaulrüssler die Rinde unterhalb der Triebspitze komplett abfressen. Die angefressenen Triebe sterben dann normalerweise ab. Wesentlich mehr Schaden richten die Larven des Gefurchten Dickmaulrüsslers an. Durch das Annagen von Wurzeln können sie die befallenen Pflanzen zum Absterben bringen.
Chemische Pflanzenschutzmittel stehen zur Bekämpfung des Gefurchten Dickmaulrüsslers momentan nicht zur Verfügung. Allerdings lassen sich die im Boden lebenden Larven von Otiorhynchus sulcatus mit speziell für diese Zwecke vertriebenen Fadenwürmern bekämpfen. Diese Nützlinge werden den befallenen Pflanzen ganz einfach mit dem Gießwasser zugeführt. Dabei ist darauf zu achten, dass der Boden weder zu feucht noch zu trocken sein darf. Die Fadenwürmer bewegen sich mit schlängelnden Bewegungen aktiv durch den feuchten Boden und dringen durch die Haut in die Larven des Gefurchten Dickmaulrüsslers ein. Dort vermehren sie sich und geben ein für die Larve toxisches Bakterium ab, wodurch die parasitierte Dickmaulrüsslerlarve abstirbt. Nach zwei bis drei Wochen verlassen die Nematoden die abgestorbene Larve um einen neuen Wirt zu parasitieren. Der Handel vertreibt gegen die Larven des gefurchten Dickmaulrüsslers die beiden Nematodenarten Steinernema kraussei und Heterorhabditis bacteriophora. Steinernema kraussei benötigt eine Bodentemperatur von mindestens 5°C. Heterorhabditis bacteriophora wird erst bei einer Temperatur von 12°C aktiv. Die Fadenwürmer können bei Zimmerpflanzen, in Wintergärten, in Gewächshäusern oder auch im Freiland eingesetzt werden. Die Nematoden werden einfach in das Gießwasser gegeben und gelangen beim Gießen in den Boden. Im Freiland sollten die Nematoden Ende April/Anfang Mai und dann wieder in den Monaten August und September eingesetzt werden, wenn die Bodentemperaturen über 12 °C liegen.
Die Nematodenart Steinernema carpocapsae kann auch gegen die ausgewachsenen
Käfer eingesetzt werden. Im Handel kann ein mit den Nützlingen
präpariertes Brettchen bestellt werden, das so konzipiert wurde,
dass es den erwachsenen Dickmaulrüsslern als Versteck dient. Die
Nuten des kleinen Brettchens werden mit einem speziellen Gel bestrichen,
das die Nematoden enthält. Suchen Gefurchte Dickmaulrüssler
ein solches Versteck auf, so werden sie mit den Fadenwürmern infiziert.
Die Köderfalle muss mit den Nuten nach unten auf den feuchten
Boden gelegt werden. Laut Angaben des Herstellers bleiben die Nematoden
unter optimalen Bedingungen bis zu sechs Wochen infektiös. Für
Menschen und Haustiere sind diese Nützlinge bei sachgemäßer
Anwendung vollkommen ungefährlich. Auch im Biolandbau dürfen
die Nematoden eingesetzt werden.
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