Institut für Schädlingskunde

 

 

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata)

 

Hier erfahren Sie alles über Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung des Kartoffelkäfers (Leptinotarsa decemlineata)

 

Wissenschaftlicher Artname des Kartoffelkäfers: Leptinotarsa decemlineata SAY (1824)

 

Kartoffelkäfer - Erkennen

Der Kartoffelkäfer gehört wie das Lilienhähnchen (Lilioceris lilii) in die Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae). Kartoffelkäfer werden etwa zehn Millimeter lang und sieben Millimeter breit. Auf dem gelblich-bräunlichen Halsschild befinden sich mehrere schwarze Flecken. Die Grundfarbe der Flügeldecken ist deutlich heller als die des Halsschildes. Hier verlaufen zehn regelmäßige, schwarze Längsstreifen. Die basalen Antennenglieder sind rötlich gefärbt, während die distalen Glieder der Fühler eine schwarze Färbung haben. Eine ähnliche Färbung zeigen auch die Beine von Leptinotarsa decemlineata. Die Fußglieder sind schwarz, während die restlichen Glieder des Beines rotbraun gefärbt sind. Die länglichen Eier des Kartoffelkäfers haben eine gelblich-orange Färbung und werden immer in größeren Gruppen auf der Blattunterseite von Kartoffelpflanzen abgelegt. Die Larven von Leptinotarsa decemlineata haben einen schwarzen Kopf und schwarze Beine. Die frisch geschlüpften Larven haben eine rötliche Körperfärbung, während die älteren Larven eher orangefarben sind. Alle Larvenstadien weisen zwei Längsreihen schwarzer Punkte auf den Körperseiten auf.

 

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) Käfer

Abb. 1: Der Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) ist ein gefürchteter Kartoffelschädling

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) Kopula

Abb. 2: Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) stammen ursprünglich aus dem Südwesten der USA

 

 

Kartoffelkäfer - Vorkommen und Lebensweise

Der Kartoffelkäfer stammt ursprünglich aus dem US-Bundesstaat Colorado. Daher wird Leptinotarsa decemlineata auch als colorado potato beetle bezeichnet. Ursprünglich lebte der Kartoffelkäfer hier an Solanum rostratum, dem Stachel Nachtschatten. Als Nordamerika von europäischen Siedlern besiedelt wurde, nutzte der Kartoffelkäfer bald auch die von den Siedlern eingeführte Kartoffel (Solanum tuberosum) als Nahrungspflanze, die wie Solanum rostratum in die Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) gehört. Von Nordamerika gelangte der Kartoffelkäfer im 19ten Jahrhundert nach Europa, wo er sich dann immer weiter ausbreitete. Heute besiedelt Leptinotarsa decemlineata Nordamerika, Europa, Asien und Nordafrika. Sowohl die Käfer als auch die Larven von Leptinotarsa decemlineata fressen an den Blättern von Kartoffeln und anderer Nachtschattengewächse. Die erwachsenen Kartoffelkäfer überwintern im Boden und verlassen ihre Winterquartiere im Frühjahr, kurz nach dem Auflaufen der Kartoffeln. Anschließend beginnen sie mit dem sog. Reifungsfraß. Diese Phase dauert ungefähr zwei Wochen. Anschließend paaren sich die Kartoffelkäfer. Die Weibchen von Leptinotarsa decemlineata legen ihre länglichen Eier meist in Gruppen von zwanzig bis vierzig Stück auf der Unterseite von Kartoffelblättern ab. Im Verlauf von vier bis fünf Wochen kann ein einzelnes Kartoffelkäferweibchen über 300 Eier ablegen (Jacques & Fasulo, 2009). Die Eientwicklung ist temperaturabhängig und nimmt zwischen zehn und vierzehn Tagen in Anspruch. Die Larvalentwicklung dauert rund drei bis vier Wochen. In dieser Zeit werden vier Larvenstadien durchlaufen. Anschließend vergraben sich die Larven bis zu zehn Zentimeter tief im Boden, wo sie sich verpuppen. Nach einer Puppenruhe von rund zwei Wochen erscheinen die adulten Käfer wieder an der Erdoberfläche und beginnen sogleich intensiv an den Kartoffelpflanzen zu fressen. Dieser Reifungsfraß dauert gewöhnlich zwei bis drei Wochen. Zur Überwinterung graben sich die Käfer dann bis zu 25 Zentimeter tief in den Erdboden ein. Unter Umständen können sich die Käfer auch bereits vor der Überwinterung fortpflanzen, so dass eine zweite Generation entsteht. Sind die Bedingungen optimal, so vollzieht sich der gesamte Entwicklungszyklus des Kartoffelkäfers in nur 30 Tagen (Capinera, 2001).

 

 

Kartoffelkäfer - Schadwirkung

Der Kartoffelkäfer ist weltweit ein gefürchteter Kartoffelschädling. Bei starkem Befall können ganze Felder kahl gefressen werden. Sowohl die Larven, als auch die Käfer von Leptinotarsa decemlineata sind sehr gefräßig und fressen neben den Blättern auch die Stiele der Kartoffelpflanzen. Aufgrund der verminderten Blattmasse haben die befallenen Kartoffelpflanzen eine geringere Photosyntheseleistung, wodurch der Ernteertrag abnimmt.

 

Kartoffelkäfer - Bekämpfung

Kartoffelkäfer können mit einer Reihe von Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden. Beim Einsatz von Fraßgiften wie NeemAzal-T/S, das auch im biologischen Pflanzenschutz verwendet werden darf, ist der richtige Zeitpunkt zum Einsatz der Insektizide wichtig. Fraßgifte sollten möglichst frühzeitig ausgebracht werden, solange die Kartoffelkäferlarven noch im ersten oder zweiten Larvalstadium sind. Derzeit (Stichtag 31.12.2011) sind laut dem BVL-Pflanzenschutzmittelverzeichnis für den Ackerbau folgende Wirkstoffe bzw. Präparate zur Bekämpfung von Kartoffelkäfern zugelassen: Azadirachtin bzw. Neem (NeemAzal-T/S; Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Neem oder Schädlingsfrei Neem); Chlorantraniliprole (Coragen); Clothianidin (Dantop); lambda-Cyhalothrin (Trafo WG oder Lambda WG); alpha-Cypermethrin (Fastac SC Super Contact oder IRO); Deltamethrin (Decis flüssig); Metaflumizone (Alverde); Pyrethrine + Rapsöl (Spruzit Schädlingsfrei, Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Akut, Bayer Garten Obst- und Gemüse-Schädlingsfrei, Compo Schädlings-frei plus, Detia Schädlingsfrei Natur, Herba-Vetyl flüssig, Pyreth Natur-Insektizid, Schädlingsfrei Eftol, Spruzit Neu, Spruzit Käfer-& Raupenfrei oder Spruzit Käferfrei); Spinosad (SpinTor, Ultima Käfer- und Raupenfrei); Thiacloprid (Biscaya); Thiamethoxam (Actara); Imidacloprid + Pencycuron (Monceren G). Zu beachten ist, dass die Zulassungsfrist für einige der genannten Wirkstoffe am 31.12.2011 endet. Die betreffenden Pflanzenschutzmittel dürfen aber in der Regel noch bis zum Ende des übernächsten Kalenderjahres aufgebraucht werden. Problematisch ist, dass bei Kartoffelkäfern Resistenzen gegenüber der Stoffklasse der Pyrethroide aufgetreten sind (Kühne et al., 2007). Aus diesem Grund sollten die angegebenen Aufwandmengen strikt eingehalten werden um den Bekämpfungserfolg nicht zu gefährden.

 

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) Larve

Abb. 3: Die Larve des Kartoffelkäfers (Leptinotarsa decemlineata) kann mit Fraßgiften bekämpft werden

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) Larven

Abb. 4: Bei einem Massenbefall können Kartoffelkäferlarven (Leptinotarsa decemlineata) ganze Kartoffelfelder kahl fressen

 

Weitere Informationen zu Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung des Kartoffelkäfers (Leptinotarsa decemlineata).

 

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