Institut für Schädlingskunde

Polyxenus lagurus

 

Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen der Pinselfüßerart Polyxenus lagurus

 

Wissenschaftliche Bezeichnung des Pinselfüßers: Polyxenus lagurus (Linnaeus, 1758)

 

Polyxenus lagurus - Aussehen: Polyxenus lagurus gehört weitläufig in die Verwandtschaft der Tausendfüßer. Anders als Insekten, die nur drei Beinpaare haben, besitzt Polyxenus lagurus 13 Beinpaare. Wie bei allen Doppelfüßern oder Diplopoden sind auch bei Polyxenus lagurus jeweils zwei benachbarte Segmente zu einem Doppelsegment verschmolzen. Jedes dieser Doppelsegmente hat daher auch zwei Beinpaare. Die Antennen von Polyxenus lagurus bestehen aus 8 Gliedern und sind relativ kurz. Die Tiere sind dicht behaart. Auffällig sind vor allem 2 Haarbüschel am Hinterende des Körpers, die aus langen, am Ende gebogenen Haaren bestehen und stark an die Pfeilhaarbüschel von Kabinettkäferlarven erinnern. So wie die Pfeilhaare von Larven des Wollkrautblütenkäfers (Anthrenus verbasci) oder des Bibernellen Blütenkäfers (Anthrenus pimpinellae) dienen auch die langen Haare am Hinterleib von Polyxenus lagurus der Abwehr von Feinden wie Ameisen. Polyxenus lagurus wird 3 bis 4 mm lang und kann selbst an senkrechten Glasscheiben empor klettern.

 

   
Abb. 1: Polyxenus lagurus sind dicht behaarte Diplopoden
  Abb. 2: Polyxenus lagurus besitzt 13 Beinpaare  

 

 

Polyxenus lagurus - Verbreitung und Verhalten: Die Art kommt in weiten Teilen Europas vor. Der natürliche Lebensraum sind Wälder. Besonders häufig findet man die Tiere unter Baumrinde. Pinselfüßer fressen neben Grünalgen auch Flechten oder abgestorbenes Laub. Sie bevorzugen kühle und feuchte Aufenthaltsorte. Permanente Trockenheit (< 60 % relative Luftfeuchtigkeit) und hohe Temperaturen (> 30°C) kann Polyxenus lagurus nicht tolerieren. Pinselfüßer besitzen die Fähigkeit ihren Flüssigkeitsbedarf bei hoher Luftfeuchtigkeit auch aus dem in der Luft enthaltenen Wasserdampf zu decken wie Studien von Wright & Westh aus dem Jahr 2006 belegen. Je nach Temperatur dauert die Gesamtentwicklung vom Ei bis zum adulten Tier zwischen sechs und acht Monate.

 

 

Polyxenus lagurus - Schadpotenzial: In der Regel kommen Pinselfüßer im Freiland vor, wo die Tiere beispielsweise in Trockenmauern oder unter Baumrinde leben. Da sie sehr gut klettern können ist es für sie kein Problem an Hauswänden empor zu laufen und durch offene Fenster auch in Wohnungen einzudringen. Hier werden sie aufgrund der im Haus herrschenden niedrigen Luftfeuchtigkeit in der Regel bald absterben. In einem von Weidner (1974) geschilderten Fall traten die Tiere regelmäßig vor allem im Juli in einem strohgedeckten Haus an der Nordsee-Küste auf, wo sie durch die Ritzen der Zimmerdecke fielen. Bei einem solchen Massenbefall können Pinselfüßer als Lästlinge angesehen werden. Ernstzunehmende Schädlinge sind Pinselfüßer allerdings nicht. So ist weder die Übertragung von Krankheiten durch die Tiere dokumentiert, noch gelten Pinselfüßer als Materialschädlinge.

 

   
Abb. 3: Die Larve des Museumskäfers (Anthrenus museorum) besitzt wie Polyxenus lagurus einen auffälligen Borstenschwanz
  Abb. 4: Schimmelkäfer (Cryptophagus spp.) treten manchmal gemeinsam mit Polyxenus lagurus auf  

 

Polyxenus lagurus - Bekämpfen: Um Polyxenus lagurus zu bekämpfen, die ins Haus eingedrungen sind, können Kontaktinsektizide eingesetzt werden. Eine Bekämpfung dieser Pinselfüßerart ist normalerweise aber nicht notwendig, da die Tiere im Haus nicht lange überleben können. Tritt die Art regelmäßig im Haus auf, so sollte vielmehr die Ursache für das Vorkommen dieser auf feuchte Lebensräume angewiesenen Art beseitigt werden. Beispielsweise könnten sich die Tiere in feucht gewordenem Heu auf dem Speicher von Scheunen vermehren. Sobald die Entwicklungsgrundlage der Tiere beseitigt wurde, werden die Pinselfüßer ganz von selbst verschwinden.

 

Noch mehr Informationen zu Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen von Polyxenus lagurus

 

 

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