Institut für Schädlingskunde

Sumpfschnake

 

Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen der Sumpfschnake (Tipula paludosa)

 

Wissenschaftliche Bezeichnung der Sumpfschnake: Tipula paludosa Meigen, 1830

 

Sumpfschnake - Aussehen: Die Sumpfschnake wird systematisch in die Unterordnung der Mücken (Nematocera) eingeordnet, die wiederum ein Teil der Insektenordnung der Zweiflügler (Diptera) ist. Die weiblichen Sumpfschnaken werden maximal 25 mm lang. Die Männchen von Tipula paludosa haben einen schlankeren Körperbau und erreichen eine Körperlänge von bis zu 18 mm. Die fast durchsichtigen Flügel können knapp körperlang werden. Weibliche Sumpfschnaken haben kürzere Flügel als die Männchen und können auch wesentlich schlechter fliegen. Sumpfschnaken haben eine braun-graue Körperfärbung. Die relativ dünnen Beine sind auffallend lang. Die langen Antennen bestehen aus 14 Gliedern. Die großen Facettenaugen sind deutlich voneinander getrennt. Mit Hilfe dieses Merkmals kann man die Sumpfschnake auch leicht von der Kohlschnake (Tipula oleracea) unterscheiden, bei der die beiden Facettenaugen fast aneinander stoßen. Die Larven der Sumpfschnake besitzen weder Beine noch sonstige, gegliederte Körperanhänge. Sie haben einen langgestreckten Habitus und sind einheitlich bräunlich gefärbt. Ältere Larven besitzen einen kräftigen Chitinpanzer, der ihnen den englischen Trivialnamen leatherjackets (zu Deutsch Lederjacken) eingebracht hat. Kurz vor der Verpuppung erreichen Sumpfschnakenlarven eine Länge von rund 4 cm. Auffällig ist das Hinterende der Larven, welches aufgrund seiner entfernten Ähnlichkeit zu einem Gesicht auch als „Teufelsfratze“ bezeichnet wird.

 

   
Abb. 1: Die Sumpfschnake (Tipula paludosa) gehört in die Ordnung der Zweiflügler (Diptera)
  Abb. 2: Die Sumpfschnake (Tipula paludosa) ist ein bedeutender landwirtschaftlicher Schädling  

 

 

Sumpfschnake - Verbreitung und Verhalten: Die Sumpfschnake ist eine einheimische Art, die in Zentral- und Westeuropa weit verbreitet ist. Nach Nordamerika wurde Tipula paludosa durch den Menschen eingeschleppt. Die Sumpfschnake kommt bevorzugt auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen vor. Sumpfiges Gelände meidet sie dagegen ebenso wie trockene, sandige Böden. Die Larven der Sumpfschnake fressen an Wurzeln, Stängeln und Blättern verschiedener Gräser. Pro Jahr entsteht nur eine Generation. Die erwachsenen Tiere verlassen die Puppenhülle meist Ende August bis Anfang September. Die Paarung findet direkt nach dem Verlassen der Puppenhülle statt und nur wenige Stunden nach der Paarung beginnen die Weibchen damit ihre rund 300 Eier ca. 5 mm tief im Boden abzulegen. Die Eientwicklung beträgt nur rund 2 Wochen, so dass die Larven bereits im Herbst aus den Eiern ausschlüpfen. Sie fressen sogleich unterirdisch an Wurzeln von Gräsern. Wenn die ersten Nachtfröste auftreten ziehen sich die nun schon älteren Larven (in der Regel L3) zur Überwinterung etwas tiefer in den Boden zurück. Nach der Überwinterung setzen sie ihre Entwicklung fort und häuten sich ein letztes Mal zum L4-Stadium. Die Verpuppung erfolgt im Juni in rund 10 cm Bodentiefe. Nach einer Puppenruhe von knapp 2 Wochen wandert die Puppe zur Bodenoberfläche wo die erwachsene Sumpfschnake schließlich die Puppenhülle verlässt.

 

 

Sumpfschnake - Schadpotenzial: Die Sumpfschnake kann vor allem in Norddeutschland, aber auch in den Flussniederungen Süddeutschlands ökonomisch bedeutende Schäden auf Grünland oder Rasenflächen anrichten. Die meisten Schäden treten in den Monaten April und Mai auf, da die dann relativ großen Larven den größten Nahrungsbedarf haben. Die Entwicklung der Sumpfschnakenlarven wird durch kühle und regenreiche Witterung in den Monaten August und September begünstigt. Trockenheit in dieser Phase hat dagegen zur Folge, dass die empfindlichen Junglarven vermehrt absterben. Milde Winter sind für die Larven der Sumpfschnake ideal, während starker Frost dazu führt, dass die überwinternden Larven absterben.

 

Sumpfschnake - Bekämpfen: Derzeit sind keine Pflanzenschutzmittel für die Bekämpfung von Sumpfschnaken zugelassen. Kleinere Flächen können im Herbst mit einer Walze bearbeitet werden. Auch der Einsatz von Kalkstickstoff ist möglich. Die höchsten Wirkungsgrade werden beim Einsatz von parasitären Nematoden (Fadenwürmern) erreicht. Für den Menschen oder die Umwelt sind diese einheimischen Nematoden der Art Steinernema carpocapsae völlig ungefährlich. Den größten Erfolg verspricht der Einsatz dieser Nematoden im Herbst gegen das erste Larvenstadium der Sumpfschnake.

 

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