Institut für Schädlingskunde

 

 

Tabakkäfer

 

Wissenschaftlicher Artname des Tabakkäfers: Lasioderma serricorne (FABRICIUS, 1792)

 

Wie sehen Tabakkäfer aus? Der Tabakkäfer wird wissenschaftlich in die Familie der Nagekäfer (Anobiidae) eingeordnet. Der braunrot bis braungelb gefärbte Käfer wird bis zu vier Millimeter lang. Der Halsschild (Pronotum) ist genauso breit wie die unregelmäßig punktierten Flügeldecken (Elytren). Der Kopf wird von dem kapuzenartig vorragenden Halsschild überdeckt, so wie dies auch bei den anderen Arten aus der Familie der Nagekäfer üblich ist. Charakteristisch für Lasioderma serricorne sind die innen gesägten Antennen. Der ganze Körper ist mit kurzen, grauen Haaren bedeckt. Die weißen, ovalen Eier werden ca. 0,5 mm lang. Die frisch geschlüpfte Larve erreicht ungefähr dieselbe Größe. Sie ist schlank und sehr beweglich. Ältere Larvenstadien nehmen eine mehr gekrümmte, engerlingsartige Gestalt an. Sie sind gelblich weiß gefärbt, relativ dicht behaart und besitzen eine hellbraune Kopfkapsel, sowie gut ausgebildete Beine. Kurz vor der Verpuppung erreichen die Larven von Lasioderma serricorne eine Länge von bis zu vier Millimetern. Die Puppen messen drei bis vier Millimeter.

 

 
Abb. 1: Der Tabakkäfer (Lasioderma serricorne) kann neben Tabak eine Reihe weiterer pflanzlicher Vorräte befallen  

 

Wo leben Tabakkäfer? Tabakkäfer sind weltweit verbreitet. Der Entwicklungszyklus von Lasioderma serricorne ist relativ kurz. Pro Jahr können in geheizten Räumen drei bis fünf Generationen entstehen. Tabakkäfer paaren sich in der Regel bereits wenige Tage, nachdem sie die Puppenwiege verlassen haben. Die Eiablage wiederum erfolgt einige Tage nach der Paarung. Innerhalb von ein bis zwei Wochen legt das Weibchen von Lasioderma serricorne bis zu 100 Eier einzeln oder in kleinen Gruppen am Brutsubstrat ab. Die Larven bohren sich in der Regel sofort nach dem Schlupf aus dem Ei tiefer in das Nahrungssubstrat ein und legen hier ihre Fraßgänge an. Notfalls kann die Eilarve aber auch einige Tage lang hungern. Die Junglarven verhalten sich negativ phototaktisch - meiden also die Helligkeit - und sind anfangs recht mobil. Bei älteren Larvenstadien nimmt die Aktivität dagegen zunehmend ab. Die Entwicklungsdauer des Tabakkäfers hängt zum einen von der Temperatur und zum anderen von der Nahrung der Larven ab. Bei einer konstanten Temperatur von 25°C vollzieht sich die Entwicklung vom Ei bis zur Imago innerhalb von ungefähr zwei Monaten. Sinkt die Temperatur unter 20°C können sich die Larven nicht mehr weiter entwickeln. Sie sind gegenüber Kälte recht empfindlich und können Temperaturen von weniger als 10°C nur kurz überleben. Die Puppen des Tabakkäfers ruhen innerhalb des Substrats in einer recht stabilen Puppenwiege, deren Wand aus zusammengeklebten Teilchen des Nahrungssubstrates und Kotpartikeln besteht. Die Puppenwiege wird kurz vor der Verpuppung von den Larven mit Hilfe von Speicheldrüsensekret geformt und ist häufig an Verpackungsmaterialien wie Schachteln, Tüten, oder Säcken angeheftet. Die Lebensdauer der adulten Käfer beträgt vier bis fünf Wochen.

 

Welche Schäden können Tabakkäfer anrichten? Der Tabakkäfer ist ein Vorratsschädling, der neben Tabak auch eine ganze Reihe weiterer pflanzlicher Lagergüter befallen kann. Lasioderma serricorne ist in der Lage sich in Tabak oder Tabakerzeugnissen zu entwickeln, da die Art mit Hilfe von Darmsymbionten Nikotin abbauen und so entgiften kann. Die Junglarve nimmt diese Darmsymbionten beim Durchfressen der Eihülle automatisch auf. Ähnlich wie der Brotkäfer (Stegobium paniceum) kann auch der Tabakkäfer eine ganze Reihe weiterer Inhaltsstoffe wie Gerb- und Bitterstoffe, Alkaloide, Saponine und Glykoside abbauen und auf diese Weise verwerten. Neben Tabak, Tabakprodukten und Tabaksamen befällt der Tabakkäfer eine Vielzahl von trockenen Nahrungsmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft. Hierzu gehören Getreide, Getreideprodukte, Reis, trockenes Brot, Knäckebrot, Zwieback, Paniermehl, Kekse, Nudeln, Kräutertees, Paprika und andere Gewürze, Pflanzensamen, Tierfutter, Trockenfisch, Suppenwürfel, Feigen, Datteln, Dörrobst und Kakao. Feste Substrate werden von den Larven mit Fraßhöhlen durchzogen. In pulverförmigen Nahrungsmitteln schaffen die Larven von Lasioderma serricorne Fraßhöhlen, deren Wände mit einem Speicheldrüsensekret verfestigt sind. Teilweise sind diese Fraßhöhlen auch an Verpackungsmaterialien angeheftet. Der vom Tabakkäfer angerichtete Schaden entsteht hauptsächlich durch die Fraßtätigkeit der Larven. Befallene Lebensmittel werden durch Kot verunreinigt und sind für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet. Der Schaden an Zigarren ist dann besonders schwerwiegend, wenn Deckblätter durchgenagt werden und die Zigarre daher nicht mehr zieht. Häufiger werden auch Verpackungsmaterialien zerstört - insbesondere von den ausschlüpfenden Käfern.

 

Wie kann man Tabakkäfer vernichten? Verursacht der Tabakkäfer Schäden in Silos oder Lagerhallen stellt die Begasung des Vorratsgutes mit Stickstoff, Kohlendioxid oder Phosphorwasserstoff die einzig effektive Bekämpfungsmöglichkeit dar.

 

Hier erfahren Sie noch mehr Wissenswertes über Tabakkäfer (Lasioderma serricorne).

 

 

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