Institut für Schädlingskunde

Pinienprozessionsspinner bekämpfen



Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen von Thaumetopoea pityocampa (Pinienprozessionsspinner).



Wissenschaftliche Bezeichnung: Thaumetopoea pityocampa (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775)

 

Pinienprozessionsspinner - Aussehen: Der Pinienprozessionsspinner sieht dem Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) recht ähnlich. Die Vorderflügel der nachtaktiven Falter sind bläulich- bis bräunlich-weiß gefärbt und haben zwei schwarze Querbinden. Die Männchen von Thaumetopoea pityocampa bleiben mit einer Flügelspannweite von maximal 35 mm etwas kleiner als die Weibchen, die bis zu 42 mm erreichen können. Die Raupen sind kontrastreich gefärbt. Auf der Unterseite sind die Raupen hell und auf der Oberseite dunkel gefärbt. Auffällig sind die langen weißen und rötlichen Haare, die überwiegend in Gruppen angeordnet sind.

 

   
Abb. 1: Die Raupen des Pinienprozessionsspinners (Thaumetopoea pityocampa) erreichen eine Körperlänge von bis zu fünf Zentimeter
  Abb. 2: Zur Verpuppung verlassen die Raupen des Pinienprozessionsspinners (Thaumetopoea pityocampa) ihre Futterpflanzen  

 

 

Pinienprozessionsspinner - Verbreitung und Verhalten: Der Pinienprozessionsspinner kommt von Nordafrika bis zum Schwarzen Meer vor. Im Mittelmeergebiet lebt dieser Pflanzenschädling häufig in Pinienwäldern nahe der Küste. An seiner nördlichen Verbreitungsgrenze findet man diese wärmeliebende Schmetterlingsart nur in klimatisch besonders milden Gegenden wie zum Beispiel im Tessin. Die Larven von Thaumetopoea pityocampa leben gesellig und fressen die Nadeln von verschiedenen Kieferarten wie Pinie, Aleppo Kiefer oder Waldkiefer. In der Schweiz oder in Zentralspanien bildet der Pinienprozessionsspinner nur eine Generation pro Jahr. Die Raupen schlüpfen hier Ende August. Um sich vor Fressfeinden zu schützen, stellen die Raupen mit Hilfe ihrer Spinndrüsen sog. Gespinstnester her, die einen Durchmesser von bis zu 15 cm erreichen. In diese Gespinstnester ziehen sich die Raupen am Tag zurück. Nachts verlassen sie die schützenden Nester, um an den Nadeln ihres Futterbaums zu fressen. Auch den Winter verbringen die Raupen in den Gespinstnestern. Die Verpuppung erfolgt meist Ende Mai im Boden. Hierzu verlassen die Raupen ihren Futterbaum in einem bis zu 10 m langen, prozessionsartigen Zug. Die Falter von Thaumetopoea pityocampa sind zwischen Ende Juni und Anfang August aktiv. Das Weibchen des Pinienprozessionsspinners legt bis zu 350 Eier an den Nadeln verschiedener Kieferarten in den höchsten Baumregionen ab.

 

 

Pinienprozessionsspinner - Schadpotenzial: Thaumetopoea pityocampa ist sowohl ein Pflanzenschädling, als auch ein Gesundheitsschädling. Bei starkem Befall können die Raupen des Pinienprozessionsspinners die befallenen Pinien oder Schwarzkiefern vollkommen kahl fressen. Wesentlich größer ist allerdings die Bedeutung des Pinienprozessionsspinners als Gesundheitsschädling. Schuld daran sind die mikroskopisch kleinen Brennhaare der Raupen. Dringen diese Brennhaare in die menschliche Haut ein, können sie zu Entzündungen und allergischen Reaktionen führen. Darüber hinaus tritt bei den betroffenen Personen ein starker Juckreiz auf. Noch gefährlicher ist es, wenn die Brennhaare des Pinienprozessionsspinners eingeatmet werden oder in das Auge gelangen. Dies kann bei den Betroffenen Husten, asthmatische Beschwerden und Bindehautentzündung hervorrufen. Auch die abgestreiften Larvenhäute enthalten diese Brennhaare. Aus diesem Grund ist es nicht ratsam Gespinstnester des Pinienprozessionsspinners, die große Mengen Larvenhäute enthalten, mit der bloßen Hand anzufassen. Da die Brennhaare leicht vom Wind verweht werden können sollte man nicht unter Bäumen Picknick machen, die vom Pinienprozessionsspinner befallen sind.

 

 

Pinienprozessionsspinner - Bekämpfen: Thaumetopoea pityocampa kann mit verschiedenen Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden, die gegen frei fressende Schmetterlingsraupen zugelassen sind. Gegen den nah verwandten Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) wird zum Beispiel der Häutungshemmer Dimilin eingesetzt. Um zu verhindern, dass Menschen durch den Kontakt mit den gefährlichen Brennhaaren des Pinienprozessionsspinners erkranken, müssen vor allem die Gespinstnester der Raupen beseitigt werden. Die Gespinstnester können entweder mit sog. Asbeststaubsaugern eingesaugt werden, oder aber mit Mülltüten eingesammelt werden. Vor dem Eintüten müssen die Gespinstnester mit einem Bindemittel wie zum Beispiel Wasserglas behandelt werden um die gefährlichen Brennhaare zu neutralisieren. Solche Tätigkeiten sollten immer von Spezialisten in spezieller Schutzkleidung ausgeführt werden.

 

   
Abb. 3: Die Raupen des Pinienprozessionsspinners (Thaumetopoea pityocampa) besitzen Brennhaare und sollten daher nicht mit der bloßen Hand angefasst werden
  Abb. 4: Die Gespinstnester des Pinienprozessionsspinners (Thaumetopoea pityocampa) sind mit Kot und abgestreiften Larvenhäuten angefüllt  

 

 

Noch mehr Informationen zu Aussehen, Verbreitung, Verhalten, Schadpotenzial und Bekämpfen von Thaumetopoea pityocampa (Pinienprozessionsspinner).

 

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