Institut für Schädlingskunde

 

 

Waschbär (Procyon lotor)

 

Hier erfahren Sie alles über Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung von Procyon lotor (Waschbär).

 

Wissenschaftlicher Artname des Waschbären: Procyon lotor (LINNAEUS, 1758)

 

Waschbär - Erkennen

Der Waschbär ist ein knapp fuchsgroßes Säugetier. Der Körper von Procyon lotor erscheint durch die lange Behaarung relativ plump. Der relativ kurze Schwanz mit der charakteristischen Färbung von fünf bis sieben dunklen Ringen erreicht knapp die Hälfte der Körperlänge. Beim Waschbär setzt sich die Fellfärbung aus verschiedenen Grautönen zusammen. Typisch für Procyon lotor ist eine braunschwarze bis schwarze Maske, die quer über Wangen- und Augenregion verläuft, sich als dünnes Band in Richtung Stirn fortsetzt und beiderseits von weißlichem Fell eingerahmt ist. Man nimmt an, dass diese Gesichtsmaske, ähnlich wie beim Dachs, als optisches Signal für das gegenseitige Erkennen von Artgenossen dient. Allgemein werden die Männchen von Procyon lotor etwas größer und auch schwerer als die Weibchen. Waschbär-Männchen können ein Gewicht von rund zehn kg, sowie eine Kopfrumpflänge von knapp 70 cm erreichen. Weibchen bleiben mit einem Gewicht von bis zu sieben Kilogramm und einer Kopfrumpflänge von rund 60 cm etwas kleiner und leichter als männliche Waschbären.

 

Waschbär (Procyon lotor)

Abb. 1: Der Waschbär (Procyon lotor) besitzt eine charakteristische Gesichtsmaske und stammt ursprünglich aus Nordamerika

Waschbär (Procyon lotor)

Abb. 2: Der Waschbär (Procyon lotor) kann verschiedene Krankheitserreger übertragen

Hausmarder (Martes foina)

Abb. 2: Der Hausmarder (Martes foina) verursacht ähnliche Probleme wie der Waschbär (Procyon lotor)

 

 

Waschbär - Vorkommen und Lebensweise

Der Waschbär besiedelt fast den kompletten nordamerikanischen Kontinent und ist von Panama im Süden bis nach Kanada verbreitet. Mittlerweile ist Procyon lotor auch in weiten Teilen Mitteleuropas heimisch. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass im Jahr 1934 zwei Waschbärpaare in Nordhessen ausgewildert wurden. Der Waschbär ist sehr anpassungsfähig und kommt in unterschiedlichen Lebensräumen vor. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet besiedeln Waschbären so unterschiedliche Habitate wie Waldgebiete, Prärien, Sumpflandschaften und Mangrovengürtel. Trockengebiete und reine Nadelwälder meidet Procyon lotor dagegen weitgehend. Als Kulturfolger kommt der Waschbär auch in landwirtschaftlich genutzten Gebieten, Dörfern und Städten vor. Procyon lotor ist ein Allesfresser, dessen Nahrungsspektrum vor allem von jahreszeitlichen Faktoren abhängig ist. Im Durchschnitt verteilen sich die Nahrungsanteile zu je einem Drittel auf pflanzliche Anteile, Wirbeltiere und Wirbellose. Auch Aas verschmäht der Waschbär nicht. Im Einzelnen werden zum Beispiel Krebse, Weichtiere, Fische, Würmer, junge Bisamratten, Insekten, Weintrauben, Eicheln, Mais, Obst und Beeren, sowie Kleinsäuger, Vögel und deren Gelege verzehrt. Im Herbst legt sich der Waschbär ein Fettdepot von bis zu 2,5 kg für den Winter an. Waschbären bringen nur einmal pro Jahr Junge zur Welt. Die Paarungszeit liegt in Mitteleuropa in den Monaten Januar und Februar. Die Tragzeit von Procyon lotor beträgt im Schnitt 63 Tage, so dass die meist drei bis fünf Jungen in der Regel im Frühjahr zur Welt kommen. Die Betreuung der Jungtiere erfolgt allein durch die Mutter. Junge Waschbären sind typische Nesthocker, die mit geschlossenen Augen und Ohren geboren werden. Ab einem Alter von zwei Monaten begleiten die Nachkommen ihre Mutter auf gemeinsamen Streifzügen. Der Familienverband löst sich spätestens zu Beginn der nächsten Fortpflanzungsperiode auf. In den nördlichen Verbreitungsgebieten legt Procyon lotor eine Winterruhe von bis zu vier Monaten ein. Während dieser Zeit nehmen Waschbären keine Nahrung auf und zehren allein von körpereigenen Reserven. In Gefangenschaft können Waschbären bis zu 22 Jahre alt werden. Procyon lotor ist hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv. Den Tag verbringt der Waschbär bevorzugt in Baumhöhlen. Ortschaften stellen für Waschbären ideale Siedlungsräume dar, in denen Procyon lotor hohe Populationsdichten erreichen kann. Die Stadt bietet dem äußerst anpassungsfähigen Waschbären ideale Lebensbedingungen. Als Versteckmöglichkeiten werden Abwassersysteme, Häuser, Scheunen und alte Bäume in Parks und Gärten genutzt. Der Winter ist im Bereich von Städten nicht ganz so hart wie im Umland und Nahrung ist ganzjährig und oftmals im Überfluss vorhanden. Vor allem der Hausmüll stellt im urbanen Lebensraum eine ergiebige Nahrungsquelle für den Waschbären dar. Ausgewachsene Individuen von Procyon lotor sind in der Regel sehr standorttreu.

 

Waschbär - Schadwirkung

Vor allem in Städten mit großen Waschbärpopulationen wird Procyon lotor zunehmend als Problem wahrgenommen. Ähnlich wie der Hausmarder (Martes foina) nutzt der Waschbär Dachböden als Tagesverstecke oder zur Jungenaufzucht, was zu beträchtlicher Lärmbelastung führen kann. Hinzu kommt, dass der Waschbär auf dem Dachboden auch seinen Kot hinterlässt, was aufgrund der häufig darin anzutreffenden Spulwurmeier ein ernstes Hygiene-Problem darstellt. Im Garten kann Procyon lotor vor allem im Herbst Schäden anrichten, wenn er reifes Obst und Gemüse verzehrt. Mitunter werden auf der Suche nach Regenwürmern und Engerlingen Komposthaufen und Rasenflächen zerwühlt. Um an Essensreste zu gelangen, können Mülltonnen ausgeleert werden. Der Waschbär kann eine Reihe von Infektionskrankheiten und Parasiten auf Haus- und Nutztiere, sowie den Menschen übertragen. Als Vektoren fungieren dabei Flöhe, Läuse und Zecken, die im Fell des Waschbären leben. Neben der Tollwut kann Procyon lotor auch andere infektiöse Krankheiten wie Staupe, Panleukopenie, Aujeszkysche Krankheit, das Canine Parvovirus, das Canine Adenovirus, Leptospirose, Tularämie (Hasenpest) und die Chagas Krankheit übertragen. Sehr häufig ist der Waschbär von dem Spulwurm Baylisascaris procyonis befallen, der auch dem Menschen gefährlich werden kann. In manchen Gegenden der USA sind bis zu 80 % der Waschbären mit diesem Spulwurm befallen. Während für Procyon lotor selbst ein Befall kein Problem darstellt, kann dieser Parasit bei Fehlwirten wie Hund oder Mensch das zentrale Nervensystem schädigen, Blindheit verursachen oder sogar zum Tod führen. Die Eier des Spulwurms Baylisascaris procyonis werden mit dem Kot übertragen. Daher sollte man Waschbärkot möglichst verbrennen und bei dessen Beseitigung stets Handschuhe tragen.

 

Waschbär - Bekämpfung

Um zu vermeiden, dass sich ein Waschbär im Haus oder auf dem Grundstück ansiedelt ist vor allem das Füttern zu unterlassen, da dies die Waschbären anlockt und dazu führt, dass sie die Scheu vor dem Menschen verlieren. Auch darf der Waschbär kein Futter für Haustiere oder Vogelfutter erreichen. Als weitere prophylaktische Maßnahme ist das Absichern der Mülltonnen zu nennen. Vor allem Dachböden werden von Procyon lotor gerne als Unterschlupf genutzt. Um ins Haus zu gelangen werden zersprungene Fenster, Risse im Mauerwerk oder offene Kamine benutzt. Solche potenziellen Einschlupflöcher müssen gesichert werden. Der Waschbär ist nachtaktiv und mag keinen Lärm. Es ist daher möglich, Waschbären von ihrem Schlafplatz durch starke Lampen und laute Musik zu vertreiben. Beide Maßnahmen müssen 24 Stunden pro Tag aufrechterhalten werden um Procyon lotor eine Rückkehr in das Gebäude zu verleiden. Wenn zum Beispiel ein Dachboden auf diese Weise frei von Waschbären gemacht werden konnte, so müssen zunächst mögliche Eingänge gründlich verschlossen werden. Darüber hinaus muss der Ort durch das Ausbringen von Vergrämungsmitteln für die Waschbären möglichst unattraktiv gemacht werden. Alle Vergrämungs-Maßnahmen sollten nach Möglichkeit auch nach dem Verschwinden der Waschbären noch für einige Tage fortgeführt werden um einen dauerhaften Erfolg zu sichern.

 

Weitere Informationen zu Erkennen, Vorkommen, Lebensweise, Schadwirkung und Bekämpfung von Procyon lotor (Waschbär).

 

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