Institut für Schädlingskunde

Wollkrautblütenkäfer bekämpfen

 

Wissenschaftlicher Artname des Wollkrautblütenkäfers: Anthrenus verbasci (LINNAEUS, 1767)

 

Wie sehen Wollkrautblütenkäfer aus? Der Wollkrautblütenkäfer gehört der Familie der Speckkäfer (Dermestidae) an. Die kleinen, recht bunt gefärbten Käfer haben einen rundlichen bis kurzovalen Körper. Sie erreichen eine Länge von 1,7 bis 3,2 mm. Rücken- und Bauchseite sind dicht mit verschiedenfarbigen Schuppen besetzt. Sowohl auf dem Hinterrand, als auch auf den beiden Hinterecken des Halsschildes, das bei Käfern allgemein auch als Pronotum bezeichnet wird, befinden sich weiße Schuppen. Auf den dunklen Flügeldecken, den sog. Elytren, befinden sich drei weiße, wellenförmige Querbinden. Im Gegensatz zu dem nah verwandten Teppichkäfer (Anthrenus scrophulariae) weist die Flügelnaht beim Wollkrautblütenkäfer keine rot gefärbten Schuppen auf. Die letzten drei Glieder der 11-gliedrigen Antennen sind vergrößert und bilden eine klar abgesetzte Fühlerkeule. Kurz vor der Verpuppung erreichen die hellbraun gefärbten Larven eine Länge von bis zu fünf Millimetern. Sie weisen am ganzen Körper verschieden lange Borsten und Borstenbüschel auf. Am Hinterende befindet sich ein Büschel längerer Haare. Diese sog. „Pfeilhaare“ sind mit Widerhaken besetzt und dienen der Abwehr von Fressfeinden.

 

 
Abbildung 1: Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci) kommen häufig in Wohnungen vor   Abbildung 2: Larve des Wollkrautblütenkäfers (Anthrenus verbasci)

 

 

 
Abbildung 3: Am Hinterende weist die Larve des Wollkrautblütenkäfers (Anthrenus verbasci) ein Büschel sog. „Pfeilhaare“ auf   Abbildung 4: Detailansicht eines Pfeilhaares des Wollkrautblütenkäfers (Anthrenus verbasci)

 

 

Wo leben Wollkrautblütenkäfer? Der Wollkrautblütenkäfer weist wie der Teppichkäfer einen einjährigen Entwicklungszyklus auf. Die Imagines sind nur für rund zwei Wochen aktiv. Sie ernähren sich von Nektar und können ab Mitte Mai gelegentlich bei der Nahrungsaufnahme an Blüten beobachtet werden. Nach der Paarung suchen die Weibchen zur Eiablage häufig Gebäude auf und legen dort ihre Eier in Ritzen, Falten oder anderen geschützten Stellen direkt am Nahrungssubstrat ab. Die Larven von Anthrenus verbasci leben recht versteckt und zeigen sich höchstens nachts einmal außerhalb ihrer Verstecke. Charakteristisch ist ihre unregelmäßige und mehr oder weniger ruckartige Fortbewegungsweise. Anthrenus verbasci-Larven ernähren sich hauptsächlich von dem Protein Keratin, welches unter anderem in Haaren, Federn und Horn vorkommt. Es handelt sich bei Keratinen um wasserunlösliche Proteine mit vielen Disulfidbrücken, die nur wenige Nahrungsspezialisten wie zum Beispiel Anthrenus-Arten oder Kleidermotten (Tineola bisselliella) abbauen können. Spaltprodukte wie Cystein und Schwefelkohlenstoff haben eine fördernde Wirkung auf die Verdauung von Keratin, darüber hinaus führen sie zu einem extrem niedrigen Redoxpotential von – 200 mV im Darm. Haaren und Federn fehlen essentielle Substanzen, die die Larven des Wollkrautblütenkäfers auch nicht selber synthetisieren können. Dennoch sind sie in der Lage sich ausschließlich von Haaren und Federn zu ernähren, da symbiontische Mikroorganismen, die in Darmanhängen leben, die Synthese dieser Stoffe übernehmen.

 

   
Abbildung 5: Flügelschuppen des Wollkrautblütenkäfers   Abbildung 6: Der Braune Pelzkäfer (Attagenus smirnovi) entwickelt sich wie der Wollkrautblütenkäfer oft in Dielenritzen  

 

Welche Schäden richten Wollkrautblütenkäfer an? Anthrenus verbasci gilt gleichermaßen als Materialschädling und Hygieneschädling. Die Larven des Wollkrautblütenkäfers ernähren sich von dem unter anderem in Haaren und Federn enthaltenen Protein Keratin und befallen häufig Wollwaren, Teppiche, Polstermöbel, Felle, ausgestopfte Tiere oder Vogelbälge. Im Gegensatz zu den Larven des Gefleckten Pelzkäfers (Attagenus pellio) oder anderer Arten aus der Gattung Attagenus fressen die Larven des Wollkrautblütenkäfers an den Haarspitzen von Fellen oder Pelzen. Daneben leben sie auch an verschiedenen tierischen Vorräten wie Schinken oder Wurst. Der Wollkrautblütenkäfer kann auch in pflanzlichen Vorräten auftauchen. Hier ernähren sich die Larven von Anthrenus verbasci aber weniger von den gelagerten Produkten, sondern hauptsächlich von den dort lebenden vorratsschädlichen Insekten.

 

 

Wie kann man Wollkrautblütenkäfer bekämpfen? Um einen Befall mit Anthrenus verbasci erst gar nicht entstehen zu lassen, sollte die Wohnung regelmäßig gründlich gereinigt werden. Auf diese Weise wird verhindert, dass sich Ansammlungen von Staub und Haaren bilden, die dieser Art oder anderen Textilschädlingen als Brutsubstrat dienen können. Auch tote Insekten auf dem Dachboden können eine Nahrungsgrundlage für den Wollkrautblütenkäfer darstellen. Zur direkten Bekämpfung der Wollkrautblütenkäfer können Kontaktinsektizide wie zum Beispiel Pyrethrum oder die hiervon abgeleiteten synthetischen Pyrethroide eingesetzt werden. Weitere Informationen zur Bekämpfung von Wollkrautblütenkäfern finden Sie auf unserer Extraseite Schädlinge bekämpfen.

 

Hier erfahren Sie noch mehr Wissenswertes über Wollkrautblütenkäfer (Anthrenus verbasci).

 

 

 

Informationen zu Hausungeziefer, Vorratsschädlingen, Hygieneschädlingen, Lästlingen und Pflanzenschädlingen

 

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